> zurück
Mediation (19.01.2012)

Neue Wege der Konfliktlösung

von Robert Espelkott, Rechtsanwalt & Mediator, bis 31.03.2012 Kanzlei Schäfer & Kollegen, Coesfeld ...


1. Was ist Mediation?


Im Alltag gibt es viele Situationen, in denen ein Streit entstehen kann. Die Standpunkte verhärten sich zunehmend und eine Kommunikation auf sachlicher Ebene scheint nicht mehr möglich. Mediation ist ein Angebot für die streitenden Parteien, unter Anleitung eines sachkundigen Mediators selbst eine ihren jeweiligen Interessen entsprechende Lösung für ihren konkreten Konflikt zu entwickeln. Nach den bisherigen Erfahrungen führen bundesweit etwa 75% aller Mediationen zu einem erfolgreichen Ergebnis. 

Als Alternative zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung hat die Mediation bereits in der vergangenen Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen. Mit dem von dem Bundestag am 15.12.2011 beschlossenen Mediationsgesetz gibt es in Deutschland erstmals gesetzliche Vorschriften über die Mediation.

Das klassische Schulbeispiel für eine Mediation ist der so genannte Orangen-Fall: Eine Mutter hat zwei Kinder. Diese streiten sich um eine Orange. Sie löst den Streit, indem sie die Orange in zwei gleich große Hälften teilt und jedem Kind eine der Hälften gibt. Beide Kinder sind jedoch nicht zufrieden. Wenn die Mutter beide Kinder gefragt hätte, zu welchem Zweck die Orange benötigt wird, hätte sie erfahren, dass ein Kind Orangensaft herstellen und das andere Kind mit der Schale einen Kuchen backen wollte.

In der Mediation geht es vor allem um die Klärung von Interessen. Dadurch kann ein Konflikt für alle gewinnbringend gelöst werden. Als Anwendungsfelder für die Mediation bieten sich insbesondere Streitigkeiten an innerhalb der Familie (Trennung, Scheidung, Vermögensauseinandersetzung, Umgang mit Kindern, aber auch Generationskonflikte, erbrechtliche Fragen, Streitigkeiten bei der Unternehmensnachfolge, etc.), mit dem Nachbarn, aber auch im wirtschaftlichen oder öffentlichen Bereich (Auseinandersetzungen innerhalb eines Unternehmens, eines Vereines oder einer sonstigen Organisation, mit Geschäftspartnern und Wettbewerbern, arbeitsrechtliche Streitigkeiten).


2. Qualifikation des Mediators


Mediator ist noch keine geschützte Berufsbezeichnung. Bislang können sich Menschen mit unterschiedlicher Ausbildung und Erfahrung als Mediator bezeichnen und arbeiten. Mit dem neuen Mediationsgesetz soll eine geeignete Ausbildung für Mediatoren sichergestellt werden. Rechtsanwälte, die zugleich Mediatoren sind, müssen nach § 7a der Berufsordnung der Rechtsanwälte bereits heute eine geeignete Ausbildung nachweisen, um diese zusätzliche Berufsbezeichnung führen zu dürfen.


3. Wesentliche Merkmale und Vorteile der Mediation


Der Mediator ist stets unabhängig und neutral (allparteilich). Das bedeutet, er ist nicht Interessenvertreter einer der Parteien, sondern verfolgt das Ziel, beiden Parteien eigenverantwortlich den Weg zu bahnen, eine einvernehmliche und verbindliche Lösung zu finden. In keinem Fall entscheidet der Mediator selbst den Streit oder gibt einen rechtlichen Rat. Die Parteien müssen daher gleichermaßen informiert sein und ihre eigene Situation einschätzen können. Dies gilt insbesondere für die rechtlichen Grundlagen ihrer Entscheidungen. Deshalb ist es wichtig, dass jede Partei bei Bedarf von einem eigenen Rechtsanwalt rechtlichen Rat einholen kann oder während der Mediation von diesem begleitet wird. Die Mediation bleibt dabei immer freiwillig und kann jederzeit von einer Partei beendet werden.

Ein wesentlicher Vorteil der Mediation besteht darin, dass Konflikte bereits innerhalb weniger Tage oder Wochen gelöst werden können. Durch das kooperative Verfahren der Mediation können dabei Spannungen aufgelöst werden und es bietet sich die Möglichkeit, private, geschäftliche oder familiäre Beziehungen in der Zukunft fortzusetzen und nach Abschlusses des Streites das eigene Gesicht zu wahren. Ein weiterer großer Vorteil der Mediation ist die Vertraulichkeit. Während eine Gerichtsverhandlung meist öffentlich und damit auch für Angehörige, Nachbarn, Geschäftspartner usw. zugänglich ist, läuft die Mediation ganz diskret ohne Beteiligung Dritter ab. Dadurch wird die Bereitschaft zu einem offenen Umgang gefördert. Die im Rahmen der Mediation erarbeitete Lösung ist damit insgesamt interessensgerechter als ein Urteil, in dem nur der vorgetragene und nach rechtlichen Maßstäben entscheidungserhebliche Sachverhalt berücksichtigt wird.


4. Ablauf der Mediation


Im ersten Schritt vereinbaren die Parteien, unter welchen Bedingungen die Mediation durchgeführt werden soll, insbesondere Vertraulichkeit der Erörterungen, Freiwilligkeit der Teilnahme, Aufgaben des Mediators und die Kosten. Jeder Partei kann grundsätzlich einen Rechtsanwalt als ihren Interessenvertreter in das gesamte Verfahren einbeziehen oder ihn zur Klärung von Rechtsfragen während des Verfahrens konsultieren.

Im zweiten Schritt werden die regelungsbedürftigen Themen festgelegt.

Im dritten Schritt wird herausgearbeitet, welche Interessen die Parteien mit oder hinter ihren Ansprüchen verfolgen. Der in der Verhandlungsführung geschulte Mediator sorgt für einen Gesprächsstil, die eigenen Interessen zu erkennen und die Interessen des anderen wahrzunehmen.

Im vierten Schritt suchen die Konfliktbeteiligten mit Unterstützung des Mediators nach Lösungsmöglichkeiten. Erst wenn sämtliche in Betracht kommenden Ideen der Beteiligten gesammelt wurden, erfolgt eine Bewertung und die Frage der rechtlichen Umsetzbarkeit.

Im fünften Schritt werden die Ergebnisse zur Erledigung des Streits in einer Abschlussvereinbarung durch den Mediator niedergelegt. Dafür sind in der Regel Rechtskenntnisse erforderlich, insbesondere wenn eine vollstreckungsfähige Einigungsformel formuliert werden soll. Die Vollstreckbarkeit der Abschlussvereinbarung kann in der Form eines Anwaltsvergleichs oder einer notariellen Urkunde hergestellt werden.


5. Verfahrensrecht und Kosten


Durch die Einleitung eines Mediationsverfahrens wird die Verjährungsfrist unterbrochen.

Typischer Weise werden mit dem Mediator Stundensätze vereinbart, bei denen die Bedeutung der Angelegenheit, der Umfang und die Schwierigkeit sowie die Vermögensverhältnisse der Auftraggeber berücksichtigt werden.

Nachdem auch die Versicherungsbranche die Vorzüge der außergerichtlichen Konfliktlösung erkannt hat, bieten immer mehr Rechtsschutzversicherer Kostendeckung auch für Mediation an.

pdf_ico_klein.jpgPDF-Version zum Download

> Drucken

Schäfer & Kollegen - Borkener Straße 65 - 48653 Coesfeld - Tel.:02541-94790 - E-Mail: info(at)schaefer-kollegen.de