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Bestattungsvorsorgevertrag, eine sinnvolle Ergänzung zum Testament (06.10.2009)
auszugsweise auch veröffentlicht in Allgemeine Zeitung, Wochenend-Magazin "Der Coesfelder" vom 05.08.2006 von Hasso Geißler, Rechtsanwalt und Notar a.D., bis 31.12.2008 Kanzlei Schäfer & Kollegen ---
 
Sie gehören vermutlich nicht zu den Menschen, die denken: „Nach mir die Sint­flut!“, wenn ein Todesfall in der Familie oder im Freun­des­kreis sie da­ran erinnert, was alles in einem sol­chen Falle zu regeln ist. Aber vielleicht wur­den Sie aufgeschreckt, als Ihnen in diesem Zu­sam­men­hang von ir­gend­ei­ner Seite das Wortungetüm „Bes­tat­tungs­vor­sor­ge­ver­trag“ aufstieß. Wie? Ihr Tes­ta­ment liegt doch wohl ver­wahrt beim Amtsgericht. Ihre Be­treu­ungs­vor­sor­ge­voll­macht ist bei der Bun­des­no­tar­kam­mer regis­triert. Ih­re Pa­tien­ten­ver­fü­gung ruht beim Haus­arzt oder in Ihrer Brieftasche. Aber ein Be­stat­tungs­vor­sor­ge­ver­trag, was soll der festgelegen?
 
Stirbt ein Mensch, ergeben sich vielerlei Aufgaben, die erledigt, Fra­gen, die ge­löst werden müs­sen. Sie haben zwar einen Erben, der sich da­rum sorgen müss­te; aber der ist weit weg. In Ih­rem Testament steht wo­mög­lich, was zu tun ist; aber ehe es aus der Verwahrung auftaucht, lie­gen Sie schon unter der Er­de. Wer also kümmert sich um die Be­nach­rich­ti­gung von Per­so­nen, Be­hör­den, Institutionen, um die Be­schaf­fung der erforderlichen Papiere? Wo soll die Be­stat­tung statt­fin­den? Ist ein Grab vorhanden? Ist eine Über­füh­rung im Inland oder ins Aus­land nö­tig? Soll es eine Erd-, Feuer- oder See­bes­tat­tung sein, ano­nym oder nicht? Welche Aus­stat­tung sollen Sarg oder Ur­ne haben? Wer sorgt für Sargschmuck, Grab­schmuck, Krän­ze? Wer fer­tigt Trau­er­an­zei­gen, Danksagungen, Kaffeekarten? Wer gibt die Zeit­ungs­an­zei­gen auf? Wer spricht mit dem Geistlichen oder Redner über die Ge­stal­tung der Trau­er­fei­er? Soll sie re­li­gi­ös geprägt und musikalisch ge­stal­tet sein? Wie soll der Grabstein aus­se­hen? Wer mel­det die Abon­ne­ments ab? Wer kündigt Miet- und Pachtverträge, Wasser, Strom, Gas? Wer löst den Haus­halt auf? Wer gießt die Blumen auf dem Grab? Fra­gen über Fragen und Wün­sche höchst persönlicher Art. All das und mehr kön­nen Sie in einem Be­stat­tungs­vor­sor­ge­ver­trag re­geln, den Sie mit einer Per­son Ihres Ver­trau­ens oder einem Be­stat­ter ganz in­di­vi­du­ell ab­schlie­ßen.
 
Und natürlich geht es bei der Bestattung auch ums Geld. Seit Januar 2004 ist das Ster­be­geld ge­stri­chen. Die Kürzung der Ver­si­che­rungs­lei­stun­gen be­la­stet die Hin­ter­blie­be­nen. Zum Trau­er­schmerz kommen fi­nan­ziel­le Sorgen. Denn nach dem Gesetz muss der Erbe die Kosten der Bestattung tragen. Sie ent­la­sten sich und ihn, wenn Sie zu Leb­zei­ten für eine gesicherte Fi­nan­zie­rung sor­gen.
 
Die Kosten sollten von einem Bestatter kalkuliert und mit ihm fest ver­ein­bart werden. Doch im Voraus die Kosten an den Vertragspartner zu zahlen wä­re leichtsinnig; er könn­te bei Ih­rem Tode „pleite“ sein. Sie können ein Spar­buch mit einer vereinbarten Summe und ei­nem Sperr­ver­merk anlegen. Da­rauf haben nur Sie Zugriff, und nach Ih­rem Tod der Bestatter bzw. Ver­trags­part­ner, wenn er die Sterbeurkunde vor­legt. Auch eine Ster­be­geld­ver­si­che­rung bie­tet sich an. Die ver­ein­bar­te Summe kann aber auch einmalig auf ein Treu­hand­kon­to gezahlt wer­den. Die Geldanlage ist durch eine Bürg­schaft eines Treu­händers und durch die Bank, bei der ein­ge­zahlt wird, ge­schützt. Das Geld wird ver­zinst, und das günstiger als bei her­kömm­li­chen Spar­bu­chein­la­gen. So hat z. B. der Bundesverband der Be­stat­ter eine eigene Treu­hand­stel­le für die Verwahrung solcher Gelder eingerichtet. Die Sum­me ist vor dem Zugriff Dritter ge­schützt und es entstehen keine laufenden Be­las­tun­gen. Wel­ches Modell auch immer Sie wäh­len, Sie sollten sich auf je­den Fall bei verschiedenen Ban­ken und Bestattern erkundigen und die Be­din­gun­gen sorgfältig vergleichen. Eine Sorge brau­chen Sie nicht zu haben: Die für ei­ne wür­di­ge Bestattung gemachten Er­spar­nis­se sind Schon­ver­mö­gen im Sinne des So­zial­hil­fe­rechts. Sie müs­sen, je­den­falls nach der Mei­nung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Münster (an­ders das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz), nicht an­ge­grif­fen wer­den.
 
Und Ihre Bindung an den Vertrag? Sie sollten für sich ein Recht auf je­der­zei­ti­ge Kün­di­gung ohne finanzielle Nachteile vereinbaren, damit sich frei sind, wenn sich die Umstände oder Ihre Vorstellungen än­dern. Freilich soll­ten Sie diese Möglichkeit für Ihren Erben aus­schlie­ßen, wenn Sie verhindern wol­len, dass Ihr Erbe den Ver­trag kündigt, weil er „etwas an­de­re“ und „kos­ten­spa­ren­de­re“ Vorstellungen von Ih­rer Be­stat­tung hat als Sie. Auch hier ist Be­ra­tung angesagt.
 
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