> zurück
Der Energiepass, Transparenz für Mieter und Käufer über den Energieverbrauch von Gebäuden (06.10.2009)
auszugsweise auch veröffentlicht in Allgemeine Zeitung, Wochenend-Magazin "Der Coesfelder" vom 13.05.2006 von Sven Crombach, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht ---
 
Bereits seit Monaten geistert er durch Presse, Rundfunk und Fern­se­hen: Der Energiepass für Ge­bäu­de. Durch die vielseitige und un­ein­heit­li­che Berichterstattung und die unklare aktuelle Ge­set­zes­la­ge fragt sich der Hauseigentümer hierbei: Was ist überhaupt ein Energiepass, wer braucht ihn und wer kann die Vorlage eines Energiepasses for­dern? Der Sinn des Ener­gie­pas­ses ist es, den Jah­re­se­ner­gie­be­dar­f eines Hau­ses individuell zu berechnen und auszuweisen und somit für Mie­ter und potentielle Im­mo­bi­lien­käu­fer vergleichbar zu machen. Bereits im Jahr 2002 haben der Europarat und das eu­ro­päi­sche Parlament die "eu­ro­päi­sche Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Ge­bäu­den" erlassen, deren Ziel langfristig die Ener­gie­ein­spa­rung ist. Heute wer­den rund 40% der EU-weit verbrauchten Energie für die Heizung von Gebäuden benötigt, hiermit verbunden ist ein hoher CO2-Ausstoß und eine entsprechend ho­he Umweltbelastung.
 
Der Energiepass (oder auch Energieausweis) soll jeweils für 10 Jahre gel­ten. Damit kön­nen po­ten­ti­el­le Hauskäufer und Mieter schnell und ein­fach die zu erwartenden Energiekosten bei ei­nem bestimmten Haus mit anderen Häusern vergleichen. Für Neubauten ist dieser Nachweis be­reits seit Anfang 2004 in Deutschland verpflichtend geworden in der so­ge­nann­ten "Ener­gieein­sparverordnung", in der die Erstellung eines so genannten Energiebedarfsausweises ver­bind­lich geregelt ist. Für be­reits bestehende Gebäude ist die EU-Richtlinie bislang in Deutsch­land noch nicht umgesetzt worden. Das von der EU vorgegebene Datum zur Umsetzung der Richt­li­nie bis Anfang 2006 konnte wegen der vor­ge­zo­ge­nen Bundestagswahl und der sich län­ger hinziehenden Ko­a­li­tions­ge­sprä­che nicht eingehalten werden. Es wird damit gerechnet, dass eine Umsetzung bis Mitte des Jahres 2006 auch für bestehende Ge­bäu­de erfolgt. Nach der Umsetzung in na­tio­na­les Recht haben dann Mie­tin­te­res­sen­ten und potentielle Käufer das Recht, sich den Ener­gie­pass vorlegen zu lassen. Hauseigentümer, die das Gebäude aus­schließ­lich selbst nutzen und nicht vermieten oder verkaufen wollen, be­nö­ti­gen daher auch nach der Um­set­zung der Richt­li­nie keinen Ener­gie­pass. Es kann jedoch auch hier sinnvoll sein, nach der Umsetzung ei­nen Energiepass zu beantragen. Der Energiepass führt dem Haus­ei­gen­tü­mer die energetischen Ei­gen­schaf­ten seines Gebäudes vor Augen und vergleicht es mit anderen Ge­bäu­den. Hierdurch er­hält er einen An­reiz für energetische Sanierungen des Gebäudes, um ei­ge­ne Heiz­kos­ten zu sparen und möglicherweise bei einem späteren Verkauf ei­nen höheren Ver­kaufs­preis erzielen zu können.
 
Verpflichtet zur Durchführung von Sanierungsarbeiten wird der Haus­ei­gen­tü­mer durch den Ener­gie­pass weder bei der Selbstnutzung des Ge­bäu­des noch bei beabsichtigtem Verkauf oder Ver­mie­tung, da der Ener­gie­pass lediglich den gegenwärtigen energetischen Zustand des Hau­ses dokumentieren soll. Bislang ist jedoch noch nicht ab­schlie­ßend geklärt, wie der Ener­gie­pass genau aussehen soll. Die EU-Richt­li­nie lässt sowohl einen verbrauchsorientierten als auch einen be­darf­so­rien­tier­ten Ausweis zu. Verbrauchsorientiert heißt, dass bei diesem Aus­weis einfach nur der tatsächlich angefallene Energieverbrauch ei­nes Gebäudes in der Ver­gan­gen­heit dokumentiert wird, während be­darf­so­rien­tiert bedeutet, dass eine relativ aufwändige und nicht ganz preis­wer­te Prognose über den voraussichtlichen objektiven Ener­gie­be­darf ei­nes Gebäudes durch einen Fach­mann erstellt wird. Aktuell wird durch das Bun­des­bau­mi­nis­te­rium erwogen, dem Eigentümer ein Wahl­recht zwischen den beiden Berechnungsmethoden zu ge­ben. Hier herrscht zur Zeit je­doch noch eine rege Diskussion zwischen Bun­des­re­gie­rung und den jeweiligen In­te­res­sen­ver­bän­den. Erst wenn die Dis­kus­sion über die tatsächliche Ge­stal­tung des Energiepasses ab­ge­schlos­sen und in geltendes nationales Recht umgesetzt worden ist, müs­sen Eigentümer bereits be­ste­hen­der Gebäude, die vermietet oder ver­kauft werden, bei Be­darf den Energiepass be­an­tra­gen. Diesen dür­fen voraussichtlich nur registrierte und qua­li­fi­zier­te Energieberater aus­stel­len. Einzelheiten hierzu werden jedoch ebenfalls noch ge­setz­lich zu regeln sein.
 
> Drucken

Schäfer & Kollegen - Borkener Straße 65 - 48653 Coesfeld - Tel.:02541-94790 - E-Mail: info(at)schaefer-kollegen.de