Das neue Rechtsdienstleistungsgesetz, oder "Schuster bleib bei deinen Leisten!
Dirk Schäfer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht und Ver­si­che­rungs­recht ---
 
Mit dem 01.07.2008 trat das neue Rechtsdienstleistungsgesetz in Kraft. Danach dürfen zukünftig auch Banken, Versicherungen, Un­ter­neh­mens­be­ra­ter, Autowerkstätten, Architekten und Bauingenieure über solche Rechtsfragen beraten, die als "Nebenleistung" zu ihrer Haupt­tä­tig­keit anfallen. Schließlich dürfen zukünftig auch karitative Ein­rich­tun­gen, Familienangehörige und Freunde unentgeltlich Rechts­rat erteilen.
 
Zwischen Dürfen und Können liegen jedoch Welten! Das bisherige Mo­no­pol der Rechtsanwälte für die Beratung in allen Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten diente der Qualitätssicherung des erteilten Rechtsrates, die durch ein mehrjähriges rechtswissenschaftliches Studium und einen pra­xis­be­zo­ge­nen, juristischen Vorbereitungsdienst gewährleistet wor­den ist. Auch nach Zulassung zur Rechtsanwaltschaft besteht die Ver­pflich­tung zur Weiterbildung fort. Aufgrund der immer komplexer wer­den­den Rechtsfragen sind inzwischen Fachanwaltschaften zu bis­her 19 Rechtsgebieten eingeführt worden. Voraussetzung für die Zu­las­sung als Fachanwalt ist eine ergänzende theoretische Ausbildung mit Prüfung, nachgewiesene praktische Tätigkeit und Nachweis fort­lau­fen­der Weiterbildung in diesem Rechtsgebiet.
 
Sachgerechte Beratung erfordert die Offenlegung auch vertraulicher In­for­ma­tio­nen. Rechtsanwälte sind per Gesetz zur Verschwiegenheit ver­pflich­tet, ähnlich wie ein Arzt oder Priester. Die Verschwiegenheit an­de­rer Berater hängt ausschließlich von deren persönlicher Integrität ab.
 
Der Rechtsanwalt profitiert nicht vom Ergebnis seines erteilten Rates. Er erhält für seine Tätigkeit keine ergebnisabhängige Vergütung (z. B. Pro­vi­sion), sondern ein gesetzlich nach Art und Höhe geregeltes Ho­no­rar.
 
Wer Rat erteilt, kann sich auch irren. Rechtsanwälte sind per Gesetz ver­pflich­tet, für diesen Fall eine Haftpflichtversicherung zu un­ter­hal­ten, so dass etwaige Schadenersatzansprüche weitgehend gesichert sind. Die Vorsorge anderer Berater für den Fall eines Beratungsfehlers hängt ausschließlich von deren persönlichem Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein ab.
 
Die mit dem Rechtsdienstleistungsgesetz vom Gesetzgeber be­ab­sich­tig­te Liberalisierung führt zu einer höheren Verantwortung des rechts­su­chen­den Bürgers. Er muss hinterfragen und entscheiden, welche be­ruf­li­che Kompetenz sein Berater haben soll, auf dessen Rat er bauen will, und dabei bedenken, auch schlechter Rat kostet gutes Geld.
 
Aufgrund der berufsrechtlichen Regelungen ist der Rechtsanwalt nicht nur ein unabhängiges Organ der Rechtspflege, sondern auch in Zu­kunft der berufene, unabhängige Berater und Vertreter des rechtssuchenden Bürgers in allen Rechtsangelegenheiten.
 
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